Englischer Jakobsweg – meine ehrlichen Erfahrungen und was ich anders machen würde

Ferrol, Mai, Regen. Ich stehe irgendwo zwischen der galicischen Küste und Santiago de Compostela, komplett durchnässt, und ziehe meinen Poncho aus. Nicht weil ich ihn nicht mehr brauche – sondern weil es mir in diesem Moment egal ist. Ich lasse den Regen einfach auf mich einprasseln und genieße es. Einer der verrücktesten und gleichzeitig schönsten Momente die ich je auf einer Tour erlebt habe.

Der Englische Jakobsweg ist anders als der Camino Francés. Weniger Pilger, mehr Natur, mehr Regen – und für mich persönlich einer der intensivsten Trips meines Lebens. Hier sind meine ehrlichen Erfahrungen und was du unbedingt einpacken solltest.

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Der Englische Jakobsweg – was ihn besonders macht

Wer den Camino Francés kennt weiß: Es ist voll. Pilgerstrom, Herbergen ausgebucht, überall Menschen. Der Englische Jakobsweg ist das genaue Gegenteil. Ich bin von Ferrol gestartet und habe an manchen Tagen drei, vier Stunden lang keine Menschenseele gesehen. Nur Wald, Küste, Regen – und meine eigenen Gedanken.

Genau das wollte ich. Ich bin bewusst alleine gegangen um den Kopf komplett freizubekommen. Die ersten ein, zwei Tage arbeitet man noch alles durch was zuhause so ansteht. Ab Tag drei passiert dann etwas Merkwürdiges: Der Kopf wird leer. Richtig leer. Ich habe angefangen mir Lieder auszudenken und sie vor mich hin zu singen – mitten im galicischen Wald, komplett alleine. Klingt verrückt. War es auch. Aber im besten Sinne.

Was ich falsch gemacht habe – und was du daraus lernen kannst

Fehler 1: Zu wenig Regenschutz für die Schuhe

Der Englische Weg ist feuchter als der Camino Francés. Galicien im Mai bedeutet Regen – oft, manchmal tagelang. Ich dachte meine wasserdichten Schuhe reichen. Reichten sie nicht. Nach zwei Tagen Dauerregen waren die Schuhe durchnässt, die Socken klatschnass und ich hatte eine Blase an der Fußsohle die sich entzündet hat. Am letzten Tag vor Santiago habe ich mich mit Schmerzen durchgebissen – es war knapp.

Was ich heute einpacken würde: Schuhüberzieher. Klingt uncool, funktioniert aber. Die ziehst du über die Schuhe wenn es richtig schüttet und deine Füße bleiben trocken. Hätte mir eine Menge Schmerzen erspart.

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Fehler 2: Zu schnell durch die Etappen hetzen

Ich wollte die „Qual“ so kurz wie möglich halten – von Etappe zu Etappe einfach durchmarschieren. Rückblickend war das ein Fehler. Die Wälder am Englischen Weg sind atemberaubend schön, die Küstenabschnitte einzigartig. Wer nur den Kopf unten hat und Kilometer frisst verpasst genau das was den Weg ausmacht.

Mein Tipp: Plane einen Puffertag ein. Bleib irgendwo einen Tag länger wenn es dir gefällt. Der Weg ist das Ziel – das klingt abgedroschen, aber am Jakobsweg verstehst du plötzlich was es bedeutet.

Fehler 3: Schuhe in der richtigen Größe kaufen

Die Füße schwellen nach stundenlangem Laufen an – das ist normal und wird gerne unterschätzt. Schuhe die morgens perfekt passen können nachmittags zu eng sein. Meine Empfehlung: Eine halbe bis eine Nummer größer kaufen als gewohnt. Das macht einen echten Unterschied auf langen Etappen.

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Was du unbedingt einpacken solltest

Poncho – nicht verhandelbar

Eine Regenjacke alleine reicht am Englischen Weg oft nicht. Ein leichter Poncho der auch den Rucksack abdeckt ist Gold wert. Und ja – irgendwann wirst du ihn ausziehen und den Regen einfach genießen. Aber schön zu wissen dass er da ist.

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Blasenpflaster – mehr als du denkst

Ich hatte zu wenig dabei. Wenn eine Blase sich entzündet ist das kein Spaß mehr sondern ein echtes Problem. Compeed ist der Standard – packe eine große Packung ein und bete dass du sie nicht brauchst.

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Funktionsshirts – und zwar keine Baumwolle

Nasses Baumwoll-Shirt bei 15 Grad und Wind ist eine Erkältung die auf dich wartet. Schnelltrocknende Funktionsshirts sind Pflicht. Die trocknen über Nacht, halten den Geruch in Schach und fühlen sich auch nass noch angenehm an.

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Wie viel einpacken?

So wenig wie möglich. Das klingt wie eine Floskel bis man es erlebt hat. Nach dem zweiten Tag weißt du ganz genau welche Dinge im Rucksack sinnlos Gewicht fressen. Was du nicht in den ersten 48 Stunden brauchst wirst du wahrscheinlich die ganze Tour nicht brauchen. Packe konsequent aus was du nicht zwingend benötigst – deine Schultern werden es dir danken.

Lohnt sich der Englische Jakobsweg?

Absolut. Für alle die Ruhe suchen, echte Natur und eine Erfahrung die man nicht so schnell vergisst. Der Weg ist nicht so überlaufen wie der Camino Francés – genau das macht ihn besonders. Die galicischen Wälder sind wunderschön, die Küstenabschnitte einzigartig und die Stille auf dem Weg ist etwas das man in unserem Alltag kaum noch findet.

Würde ich es wieder machen? Sofort. Aber diesmal mit Schuhüberzieher, mehr Blasenpflaster – und ohne den Stress von Etappe zu Etappe zu hetzen.

Buen Camino!

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